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Rumänien 2010

Erste Erfahrungen - von Christa Lackmann:


Seit dem Jahr 2006 hat mich der Gedanke nicht losgelassen, einmal mit nach Rumänien zu fahren. Unser Sohn, der 2006 dabei war, und alle anderen Rumänienfahrer unserer Gemeinde haben mich durch ihre ergreifenden Berichte mit dem Rumänienfieber angesteckt. Der Virus war so infektiös, das auch mein Mann ergriffen wurde. Am 10. September war es so weit. Mit großem Respekt vor der 2000 km langen Fahrt aber auch vor dem Land Rumänien und was uns dort erwarten würde, traten wir die Reise an. Insgesamt waren wir 12 Personen. Nach dem die Autos gepackt waren, fuhren wir um 16.00 Uhr los. Außer unserem persönlichen Gepäck hatten wir Werkzeug, Schweißgerät und ein schmiedeeisernes Tor geladen. Auch in diesem Jahr hatte Rolf Schudlich mit viel Liebe und Sorgfalt unseren Proviant zu bereitet – es war einfach köstlich. Nach einer behüteten Fahrt und einer Übernachtung in den Karpaten erreichten wir Agafton am Sonntagnachmittag. Herzlich begrüßten uns die Nonnen. Vom ersten Augenblick an fühlten wir „neuen Rumänienfahrer“ uns bei den Nonnen aber auch in der Gruppe aufgenommen. Drei kleine Klosterdorfhäuser richteten die Nonnen für uns her. Für unsere Verhältnisse sehr spartanisch, z.B. dienten Laken als Sonnschutz und Teppiche als Schutz vor Kälte, zum Waschen nur kaltes Wasser und eine Toilette ohne Licht.
Am 1.Tag erfolgte eine Bestandsaufnahme und eine Begehung des Klostergeländes mit den Nonnen in Leitungsfunktion. Durch die gute Unterstützung von Claudia und Mihaela, unseren Dolmetscherinnen, war die Verständigung kein Problem. Wenn wir sie brauchten, waren Sie beim Einkaufen, Erklärung von Arbeitsvorgängen und zur Übersetzung persönlicher Gespräche für uns da.
Unser Arbeitsauftrag für diesen Aufenthalt war: Fortsetzung der Arbeit am Brunnenhaus, Setzen eines 50m langen Zaunes, Einsetzen des Tores im Brunnenhaus, Ausfugen zweier Säulen, Zusammenschweißen eines Tores für den Zaun, Reparaturarbeiten, Einkaufen von Lebensmitteln und Medikamenten.
Schnell kauften wir das nötige Material ein. Jeder von uns hatte in kürzester Zeit seinen Arbeitsplatz gefunden. Ich lernte im Turbolehrgang Beton für die Zaunpfähle mischen, natürlich „erdfeucht“, und assistierte meinem Mann beim Schweißen des Tores. Lorraine fuhr wie ein Profi mit unserem kleinen Bus, schaffte fehlende Materialien an und war unsere Schriftführerin. Anke, Melanie, Torsten, Jochen und Erwin verbrachten viele Stunden mit dem Verputzen. Jochen und Bernd setzen das Tor im Brunnenhaus ein. Sven und Klemens waren unsere Spezialisten in Bohren von Erdlöchern und Setzen des Zaunes. Franz war Experte beim Einschalen und dekorierte die Brunnenmauern mit Natursteine. Belohnt wurden wir mit der Gastfreundschaft und der mit viel Mühe zubereitenden Mahlzeiten. Mit viel Kreativität zauberte Schwester Theophana aus einfachen Zutaten köstliche Mahlzeiten. Vor und nach dem Essen halfen wir gerne in der Küche – auch „perintele“. Der Kontakt zu den Schwestern war dann intensiver.
Der Arbeitstag einer Schwester ist sehr lange, sie schuften von morgens früh um 4.00Uhr bis zum späten Abend unter erbärmlichsten Umständen. Jeder hat seinen eigenen Aufgabenbereich z.B. Hauswirtschaft, Landwirtschaft, Obst-und Gemüseanbau, Holzhacken, Betreuung hilfsbedürftiger Schwestern, Reinigung der Kirche, Mitgestaltung der Gottesdienste. Trotzdem spürten wir eine Ruhe, Gelassenheit, Fröhlichkeit, Hilfsbereitschaft und Bescheidenheit die mich beschämte.
Unter uns war die Gemeinschaft echt gut. Am Abend war Zeit für gute Gespräche, für Training der Lachmuskulatur und für das Genießen eines guten Getränkes. Zeitung, Radio und Fernseher wurden nicht vermisst.
Schnell vergingen die Tage. Leider konnten wir nicht alle bis zum 24. September bleiben. Gudrun musste uns schon nach 5 Tagen verlassen. Wir, Torsten, Jochem, Bernd und ich, nahmen nach einer Woche Abschied. Dieser Abschied ist für mich unvergesslich. Wir wurden reich beschenkt mit Dankbarkeit, wertvollen Erfahrungen und Geschenken. Gerne erzählen wir von den Erlebnissen und sind dankbar, dass wir die Möglichkeit hatten, mit nach Rumänien zufahren.
Fazit von Bernd und mir: Der Virus des Rumänienfieber ist resistent.

 

Die zweite Woche - von Melanie Kistemann
Nun war unsere Gruppe auf sieben Personen geschrumpft – und wir hatten noch so viel vor. An den nächsten drei Tagen war es kalt und regnerisch, würden wir trotzdem noch alles schaffen, was wir uns vorgenommen hatten?

 

Die Arbeiten am Brunnenhaus konnten weitergeführt werden:

Einschalen – Verputzen – Kratzspachteln – Streichen, Hand in Hand. Sich auf jeden verlassen zu können, kann viel Wärme schenken. Aus Müllsäcken haben wir uns Arbeitskleidung gegen den Regen hergestellt, Pullis wurden ausgeliehen gegen den kühlen Wind und Teophana bedachte uns mit heißem Kaffee und ihrem Lächeln für die Wärme von innen. Manche spürten dieses Wetter bis in jedes Gelenk, aber alle hielten durch, denn das Strahlen der Maikas (=rumänische Nonnen) beim Anblick jeden Fortschritts, setzt ungeahnte Kräfte und Fähigkeiten frei.
Dann weckte uns endlich am Dienstag wieder unser fröhlicher Wetterbericht Anke: Guten Morgen – Aufstehen – Strahlend blauer Himmel – Die Sonne scheint! Zum Glück hatte Clemens Tore, Türschlösser und Küchenmaschine schon wieder so gut wie erneuert, denn jetzt war das große Tor wichtiger. Wie wir alle gelernt haben, arbeitet man nämlich mit einem Elektrodenschweißgerät lieber im Trockenen. Nachmittags konnte schon gestrichen werden. Franz setzte die letzten Bruchsteine an die Außenmauern des Brunnenhauses (ohne, dass ihm der Speis dahin floss), der letzte Pfeiler wurde verputzt, während auf der anderen Seite schon der zweite Anstrich aufgebracht wurde.
Am Mittwoch blieb uns sogar die Zeit, eine Runde über das Klostergelände zu schlendern, um noch einmal alles Erarbeitete fotografisch festzuhalten. Und diesmal wollen wir auch nicht die sysiphusartige Arbeit der Verfuger Anke und Torsten unerwähnt lassen, die mit Engelsgeduld vier neue, wunderschöne Pfeiler auf dem Weg zur historischen Kapelle Agafton geschaffen haben.
Die letzten Tage vergingen wie im Flug, aber nicht ohne an die schon nach Hause aufgebrochenen zu denken. Was für ein Geschenk für uns, noch hier bleiben zu können. Jeder Tag eine neue Herausforderung und ein neues Abenteuer: in den Tiefen des Brunnens verschollene Werkzeuge, in den Tiefen der Kirchenspendenkiste verschollene Eheringe. Letzterer wurde zur Erheiterung aller und zur Erleichterung der Besitzerin aber wieder herausbefördert.
Was wir aber auf jeden Fall in Agafton gelassen haben, ist ein Teil unseres Herzens.